Erhöht oder verschlechtert VR die Konzentration?

Beides ist möglich. Ob Virtual Reality (VR) die Konzentration erhöht oder verschlechtert, hängt von der Art der Nutzung und den individuellen Reaktionen der Benutzer ab. Eine gut gemachte Anwendung kann die Aufmerksamkeit deutlich steigern, lange Sitzungen führen dagegen zu Ermüdung.
1. Erhöhung der Konzentration
In vielen Fällen kann VR die Konzentration steigern, da sie eine immersive Umgebung schafft, die den Nutzer von äußeren Ablenkungen abschirmt. Besonders bei Schulungen oder Simulationen können Nutzer tief in die Aufgaben eintauchen, was die Fokussierung auf Inhalte fördert. Dies liegt daran, dass VR das visuelle und auditive Umfeld kontrolliert und alle Aufmerksamkeit auf die virtuelle Erfahrung lenkt. In einer Studie von PwC (2020) waren Beschäftigte im VR-Training nach eigener Angabe bis zu viermal konzentrierter als beim E-Learning.
2. Mögliche Herausforderungen
Auf der anderen Seite kann eine längere VR-Nutzung zu Ermüdungserscheinungen führen, die die Konzentration verringern. Das tritt vor allem ein, wenn man wenig Erfahrung mit VR hat und sich erst an das Bedienkonzept gewöhnen muss. Das allein kann schon einiges an Aufmerksamkeit verlangen. Es gibt aber einen Gewöhnungseffekt: Wenn man die VR-Brille einige Zeit im Einsatz hat, wird sie so selbstverständlich bedient, dass sie keine Ablenkung mehr darstellt.
Einige Nutzer berichten von VR-Übelkeit oder Kopfschmerzen, wenn sie VR über einen längeren Zeitraum verwenden. Das kann die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, negativ beeinflussen. In der Regel wirkt auch hier der Gewöhnungseffekt positiv, sodass diese Symptome später oder gar nicht mehr auftreten. Eine Übersichtsarbeit über 39 Studien bestätigt diesen Effekt (Dużmańska et al. 2018). Die Inhalte sind hier ein entscheidender Faktor: Simulationen mit sehr wenigen, schnellen, visuellen Reizen sind leichter verträglich als Anwendungen mit vielen Bewegungen.
3. Unsere Erfahrung
Wenn die VR-Anwendung geschickt aufgebaut ist, kann sie bei VR-unerfahrenen Menschen für eine Zeitspanne von bis zu 20 Minuten die Aufmerksamkeit deutlich erhöhen. Wenn die App intuitiv und ohne Lernkurve nutzbar ist, lenkt die Technik nicht ab, sondern fokussiert auf das Wesentliche. Wir beobachten aber auch, dass VR-unerfahrene Menschen nach einer Zeit von 20 bis 30 Minuten deutliche Ermüdungserscheinungen zeigen. Dann sollte die Simulation beendet oder mindestens für eine Erholungspause von 10 bis 15 Minuten unterbrochen werden. Erfahrene VR-Brillen-Benutzer können ihre Aufmerksamkeit für ein bis zwei Stunden aufrechterhalten, wobei wir auch dabei regelmäßige Pausen empfehlen.
Fazit
VR kann die Konzentration erhöhen, indem sie eine immersive und ablenkungsfreie Umgebung bietet. Allerdings sollte die Nutzung gut dosiert werden, um Überlastung und Ermüdung zu vermeiden. Die VR-Anwendung muss für eine gute Fokussierung optimiert sein. Regelmäßige Pausen sind der Schlüssel, um langfristig fokussiert zu bleiben.
